GEHZETTE SPIELFELDRAND #6 // Bernd-Juhl-Cup in Lübeck

Der SV Eintracht Lübeck 04 e.V. veranstaltete am 23. Mai 2026 ab 11 Uhr bereits zum dritten Mal sein Walking-Football-Turnier. In diesem Jahr erhielt die Veranstaltung einen besonderen Namen und einen emotionalen Rahmen: Zu Ehren des im Oktober 2024 verstorbenen Platzwarts und 2. Vorsitzenden Bernd Juhl wurde das Turnier erstmals als „Bernd-Juhl-Cup“ ausgetragen. Damit erinnerte der Verein an einen Menschen, der über viele Jahre mit Herzblut, Verlässlichkeit und großer Leidenschaft zum Vereinsleben beigetragen hatte.

Mit dabei waren in diesem Jahr der HSV Walking Football, der FSV Krakow am See, die BSG Eutin, der PSV Wismar, der TV Neuenburg, der TSV Sievern, Blau-Weiß Grevesmühlen „De Kreinsdörper“, S-u-S Beckhausen, der TSV Bargteheide sowie Gastgeber SV Eintracht 04 Lübeck. Zehn Teams sorgten gemeinsam für einen stimmungsvollen Turniertag, bei dem Fair Play, Gemeinschaft und die Freude am Spiel klar im Mittelpunkt standen.

Die zwei Gesichter des Walking Footballs

Sonne, faire Begegnungen, zehn motivierte Teams und viele gute Gespräche am Spielfeldrand: Der Bernd-Juhl-Cup beim SV Eintracht Lübeck 04 war über weite Strecken genau das, was Walking Football im Kern sein kann – ein Gesundheits-, Begegnungs- und Gemeinschaftsspiel.

Die Organisation rund um Jürgen „Hans“ Knobloch und sein Team wurde von nahezu allen Beteiligten ausdrücklich gelobt. Von der Verpflegung über die Turnierleitung bis hin zur entspannten Atmosphäre stimmte das Gesamtbild. Besonders erfreulich war die Teilnahme eines Inklusionsteams, das den Gedanken von Teilhabe und Gemeinschaft sichtbar machte.

Sportlich setzte sich zwar der kämpferisch agierende TSV Bargteheide durch, doch viele Mannschaften verstanden das Turnier vor allem als das, was Walking Football im besten Sinne ausmacht: gemeinsam aktiv sein, sich respektvoll begegnen und miteinander statt gegeneinander Fußball spielen.

Die Urwaldfriesen vom TV Neuenburg zeigten sich begeistert von der Atmosphäre in Lübeck. Der HSV Walking Football sprach trotz kleinem und verletzungsgeplagtem Kader von einem „rundum gelungenen Turnier“ und lobte ausdrücklich die Fairness der teilnehmenden Teams. Selbst Trainerlob war zu hören – und das will bekanntlich etwas heißen.

Teilnehmer aus Mecklenburg „De Kreinsdörper“

„De Kreinsdörper“ vom SV Blau-Weiß Grevesmühlen gehörten beim Bernd-Juhl-Cup zwar nicht zu den erfolgreichsten Mannschaften der Abschlusstabelle, gewannen dafür aber viele Sympathien auf und neben dem Platz. Mit großer Leidenschaft, Fairness und sichtbarer Freude am gemeinsamen Spiel zeigte das Team, worum es beim Walking Football eigentlich geht. Gerade solche Geschichten machen Walking Football besonders und zeigen, dass Gemeinschaft und Teilhabe manchmal wichtiger sind als jede Platzierung.

Bernd-Dieter Völker – SV Blau-Weiß Grevesmühlen

Beeindruckend war zudem der Auftritt von „De Kreinsdörper“ vom SV Blau-Weiß Grevesmühlen. Mit Bernd-Dieter Völker stellte das Team den ältesten Spieler des Turniers. Der 83-Jährige erzielte sogar ein eigenes Tor und wurde damit zu einem der emotionalen Momente des Tages. Genau solche Geschichten zeigen, worum es beim Walking Football eigentlich geht: Bewegung, Gemeinschaft und Teilhabe bis ins hohe Alter.

Doch der Turniertag zeigte auch eine Entwicklung, über die im Walking Football immer häufiger gesprochen wird.

Nach Informationen aus geschützter Quelle kam es vereinzelt zu Szenen, in denen einige Spieler das Format offensichtlich eher als wettbewerbsorientierten Altherrenfußball interpretierten – und nicht als gesundheitsorientiertes Fair-Play-Spiel. Wiederholt mussten Spielbegleiter eingreifen und Situationen durch klare Pfiffe beruhigen, um Mitspielende zu schützen und die Kontrolle über Intensität und Verhalten zu behalten.

Dabei geht es nicht um einzelne Emotionen oder Ehrgeiz. Wettbewerb gehört selbstverständlich auch zum Walking Football. Problematisch wird es dort, wo das Schutzprinzip verloren geht. Wer rennt, körperlich arbeitet oder bewusst Grenzen austestet, gefährdet andere – oftmals ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen, die gerade wegen der geschützten Spielidee teilnehmen.

GEHZETTE meint deshalb klar:
Walking Football braucht Konsequenz. Wer wiederholt gegen die Grundidee des Spiels verstößt und auch nach mehrfacher Ansprache keine Einsicht zeigt, sollte vom Spiel ausgeschlossen werden. Drei deutliche Hinweise müssen reichen.

Walking Football ist kein „langsamer Altherrenfußball“. Es ist eine eigene Kultur des Spiels. Wer das nicht versteht, gefährdet genau das, was diesen Sport besonders macht.

Gerade deshalb war Lübeck trotz dieser wenigen negativen Momente ein wichtiges Beispiel: Weil dort sichtbar wurde, wie stark Walking Football sein kann, wenn Fair Play, Respekt und Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

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