DER FLACHE PASS #15 // Kreuzband mit Haltung

Der Magazinbeitrag zum GEHZETTE Podcast #13 // junge Kaputte & alte Liebe ab heute auf Spotify.

Was passiert, wenn ein ehemaliger Torwart nach vier Kreuzbandrissen, zwölf Knieoperationen und dem Ende seiner aktiven Karriere plötzlich wieder Fußball spielt?

Die Antwort gab Simon Jasiczak von Olympia Bocholt im aktuellen GEHZETTE-Podcast. Gemeinsam mit Steffan Wemcken und Rolf Jōne Allerdissen entstand dabei weit mehr als ein Vereinsgespräch. Es wurde eine Unterhaltung über Leidenschaft, Gesundheit, Fair Play und die Frage, warum Walking Football für viele Menschen eine zweite sportliche Heimat werden kann.

Fußball hört nicht einfach auf

Mit 27 Jahren musste Simon seine aktive Laufbahn beenden. Kreuzbandrisse, Meniskus- und Knorpelschäden sowie weitere schwere Verletzungen hatten ihren Tribut gefordert.

Viele Jahre blieb nur die Erinnerung an den Fußball.

Bis zu jenem Tag, als er nach einer Operation im Radio erstmals von Walking Football hörte.

Was zunächst wie eine Randnotiz klang, entwickelte sich schnell zu einer neuen Aufgabe. Simon gründete bei Olympia Bocholt eine Walking-Football-Gruppe, die heute auf einen Kader von 23 Spielerinnen und Spielern angewachsen ist.

Die Altersspanne reicht von 29 bis 80 Jahren.

Nicht nur ein Sport für Ältere

Ein zentraler Gedanke zog sich durch die gesamte Podcastfolge:

Walking Football ist nicht ausschließlich ein Angebot für Senioren.

Simon formulierte es deutlich. Es gibt auch „junge Kaputte“ – Menschen, die aufgrund von Verletzungen, Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen den klassischen Fußball nicht mehr ausüben können.

Genau für diese Menschen bietet Walking Football eine Alternative.

Nicht das Geburtsdatum entscheidet über die Teilnahme, sondern die Bereitschaft, sich auf eine andere Art des Fußballspielens einzulassen.

Keine Sprints.
Keine Grätschen.
Keine Bodychecks.

Dafür Übersicht, Passspiel, Fairness und Gemeinschaft.

Gesundheit wird zum Spielsystem

Besonders spannend war die Schilderung der Veränderungen nach Simons Teilnahme am DFB-Walking-Football-Zertifikatslehrgang.

Wo früher oft direkt losgekickt wurde, gehören heute strukturierte Aufwärmprogramme, Gymnastik, Passformen und koordinative Übungen selbstverständlich zum Training.

Eine Entwicklung, die auch viele andere Walking-Football-Gruppen derzeit durchlaufen.

Der Blick richtet sich zunehmend auf Prävention, Beweglichkeit und Verletzungsvermeidung.

Walking Football wird damit immer stärker zu einer Gesundheits- und Bewegungssportart mit Fußballbezug.

Fair Play ist mehr als eine Regel

Olympia Bocholt verfolgt dabei einen bemerkenswerten Ansatz.

Bei jedem Training gibt es einen Spielleiter. Körperkontakt wird konsequent unterbunden. Die eigenen Vergehen werden häufig sogar selbst angezeigt.

Die drei Werte

Respekt
Fair Play
Fairness

stehen über dem Ergebnis.

Oder wie Simon es sinngemäß beschreibt:

Früher hätte man den Gegenspieler umgehauen. Heute lässt man ihn das Tor schießen – und freut sich über die schöne Aktion.

Eine Haltung, die dem ursprünglichen Gedanken des Walking Football sehr nahekommt.

Netzwerke statt Alleingänge

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Bedeutung regionaler Netzwerke.

Olympia Bocholt ist Teil eines Zusammenschlusses von Vereinen aus dem Westmünsterland, die sich regelmäßig austauschen, Erfahrungen teilen und gemeinsam an der Weiterentwicklung des Sports arbeiten.

Gerade in einer noch jungen Sportart sind solche Verbindungen oft wichtiger als Tabellen oder Pokale.

Sie schaffen Wissen, Kontakte und neue Ideen.

Praemium WalkingFootball-Cup in Bocholt

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Praemium WalkingFootball-Cup, der am 3. Oktober 2026 in Bocholt stattfinden soll.

Bereits zugesagt haben Mannschaften aus Deutschland und den Niederlanden.

Mit dabei sind unter anderem Teams des Hamburger SV, Schalke sowie die „Ruhrpotthelden“.

Besonders bemerkenswert ist die Teilnahme von TransDia e.V., dem Verband transplantierter Sportlerinnen und Sportler.

Damit wird das Turnier auch zu einem sichtbaren Zeichen für Inklusion und Teilhabe.

Die eigentliche Tabelle

Am Ende der fast einstündigen Podcastfolge blieb vor allem ein Gedanke hängen:

Die wichtigste Tabelle im Walking Football wird nicht nach Toren geführt.

Sie misst keine Punkte und keine Platzierungen.

Sie zeigt die Menschen, die nach dem Training lächelnd vom Platz gehen.

Menschen, die glaubten, ihre Fußballschuhe endgültig an den Nagel hängen zu müssen.

Und die plötzlich feststellen:

Die Beine werden vielleicht älter.
Manche Knie auch kaputter.

Aber die Liebe zum Fußball bleibt.

GEHZETTE PODCAST #13
„Junge Kaputte, alte Liebe“

Ein Gespräch mit Simon Jasiczak (Olympia Bocholt) über Verletzungen, Neustarts, Fair Play und die Kraft des Walking Football.

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