Wenn Walking Football sich selbst ernst nehmen will, darf es solche Bilder nicht unkritisch feiern.

Der eigentliche Skandal des Beitrags von 9 News Queensland ist nicht, dass über Walking Football berichtet wird. Im Gegenteil: Jede mediale Aufmerksamkeit ist grundsätzlich willkommen.
Problematisch ist vielmehr, welches Bild des Sports gezeigt wird.
Die gezeigten Szenen vermitteln wiederholt:
- Spieler, die offensichtlich laufen.
- Zweikämpfe mit erheblichem Körpereinsatz.
- Stürze und Zusammenprall-Situationen.
- Einen verletzten Spieler am Boden.
- Sequenzen, die eher an Altherrenfußball erinnern als an regelkonformes Walking Football.
Wer die Sportart nicht kennt, wird nach diesen Bildern kaum verstehen, dass Walking Football eigentlich auf drei Grundprinzipien beruht:
- Gehen statt Laufen.
- Kontaktreduzierung statt Körperkampf.
- Gesundheit und Teilhabe statt körperlicher Dominanz.
Genau diese Merkmale werden im Beitrag kaum sichtbar.
Ein Eigentor für die Glaubwürdigkeit
Die selbsternannte „Walking Football World Championship“ präsentiert sich als weltweite Spitzenveranstaltung des Sports.
Dann muss sie sich auch an den Maßstäben messen lassen, die sie selbst setzt.
Wenn ein Fernsehteam stundenlang Material dreht und am Ende ausgerechnet Szenen auswählt, in denen:
- gelaufen wird,
- Spieler zu Boden gehen,
- körperliche Auseinandersetzungen stattfinden,
dann entsteht der Eindruck, dass solche Situationen entweder häufig vorkommen oder sogar als normal angesehen werden.
Beides wäre problematisch.
Denn jede Organisation, die für sich beansprucht, eine Weltmeisterschaft auszurichten, trägt Verantwortung für das öffentliche Bild ihrer Sportart.
Das eigentliche Problem liegt tiefer
Die Bilder werfen eine grundsätzliche Frage auf:
Was soll Walking Football sein?
Ein Gesundheits- und Bewegungssport für Menschen jeden Alters und jeder Leistungsfähigkeit?
Oder eine langsamere Variante des traditionellen Wettkampffußballs, bei der Regelverstöße stillschweigend akzeptiert werden, solange der Wettbewerb spannend bleibt?
Die gezeigten Szenen sprechen leider eher für die zweite Interpretation.
Dabei zeigen viele Vereine und Initiativen weltweit jeden Tag, dass Walking Football auch anders funktioniert:
- mit konsequenter Regelauslegung,
- mit Respekt vor körperlichen Grenzen,
- mit Fairness,
- mit Inklusion,
- und mit einer Dynamik, die nicht aus Rennen und Rempeln entsteht, sondern aus Passspiel, Raumaufteilung, Antizipation und Spielintelligenz.
Medien zeigen, was ihnen geliefert wird
9 News Queensland hat die Bilder nicht erzeugt.
Die Redaktion hat lediglich das gezeigt, was auf dem Platz passiert ist.
Die Verantwortung liegt daher nicht primär beim Fernsehsender, sondern bei den Organisatoren und Verantwortlichen der Veranstaltung.
Wer Walking Football als Gesundheits- und Breitensport vermarktet, darf sich nicht wundern, wenn kritische Beobachter fragen:
Warum sieht das im Fernsehen stellenweise wie genau das Gegenteil aus?
Editors Meinung
Die Berichterstattung ist letztlich ein Spiegel dessen, was auf dem Platz präsentiert wurde.
Und genau deshalb sollten die gezeigten Bilder für alle Verantwortlichen ein Warnsignal sein.
Walking Football wird seine Zukunft nicht dadurch sichern, dass Regelverstöße ignoriert oder romantisiert werden.
Die Zukunft liegt darin, sichtbar zu machen, was diese Sportart einzigartig macht:
Tempo ohne Rennen. Wettbewerb ohne Härte. Fußball ohne Ausgrenzung.
Wenn eine Veranstaltung, die sich als Weltmeisterschaft bezeichnet, genau das nicht vermitteln kann, dann hat sie ihr wichtigstes Spiel bereits verloren – das um die Glaubwürdigkeit des Sports.
