TEAM DER WOCHE #20 // ROTW – rest of the world

Wenn Walking Football Grenzen überwindet

Im klassischen Sport werden Mannschaften meist durch Vereinsfarben, Städte oder Nationalflaggen definiert. Im Frauen-Walking-Football gibt es jedoch ein Team, das sich bewusst jeder geografischen Zuordnung entzieht und gerade deshalb zu einem Symbol für die internationale Entwicklung dieser Sportart geworden ist: The Rest of the World (ROTW).

Was zunächst wie eine humorvolle Bezeichnung klingt, hat sich inzwischen zu einem außergewöhnlichen Projekt des internationalen Frauen-Walking-Footballs entwickelt. Spielerinnen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und sportlichen Hintergründen finden hier zusammen – vereint durch die Überzeugung, dass Walking Football weit mehr ist als ein Wettkampf. Es ist Begegnung, Gemeinschaft und gelebte Teilhabe.

Die Frau hinter dem Projekt

Eine der prägenden Persönlichkeiten hinter ROTW ist die Engländerin Melanie „Mel“ Benson aus Devon. Mel ist Trainerin, Organisatorin, Spielerin und vor allem eine leidenschaftliche Botschafterin des inklusiven Fußballs.

Ihre eigene Fußballgeschichte spiegelt zugleich die Entwicklung des Frauenfußballs in England wider. Als Mädchen der 1970er- und 1980er-Jahre hatte sie kaum Möglichkeiten, organisiert Fußball zu spielen. Erst viele Jahre später fand sie über den Amateur- und Frauenfußball den Weg zurück auf den Platz. Nach einer Karriere bei der Polizei engagierte sie sich zunächst im Behindertenfußball und baute dort ehrenamtlich erfolgreiche Strukturen auf. Für dieses Engagement wurde sie 2018 mit dem BBC South West Unsung Sporting Hero Award ausgezeichnet.

Heute ist Mel bei Braunton FC in Devon in mehreren Funktionen aktiv. Sie begleitet Jugend- und Erwachsenenteams im inklusiven Fußball, arbeitet mit Frauenmannschaften und engagiert sich intensiv im Frauen-Walking-Football. Wöchentlich betreut sie gemeinsam mit ihrem Team rund 60 Spielerinnen und Spieler ehrenamtlich.

Braunton – ein kleines Dorf mit großer Fußballidee

Braunton ist eine Gemeinde an der Nordküste Devons mit nur wenigen Tausend Einwohnern. Dennoch hat sich dort in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Walking-Football-Kultur entwickelt.

Unter Beteiligung von Mel Benson entstand ein Umfeld, in dem Frauen-Walking-Football, inklusiver Fußball und generationsübergreifende Sportangebote nicht nebeneinander, sondern miteinander gedacht werden. Die Philosophie lautet: Fußball gehört allen Menschen – unabhängig von Alter, Geschlecht, körperlichen Voraussetzungen oder sportlicher Vorgeschichte.

The Rest of the World – mehr als ein Team

Aus internationalen Kontakten, Turnierreisen und Freundschaften entwickelte sich schließlich die Idee von The Rest of the World (ROTW).

Anstatt Spielerinnen nach Herkunftsländern zu trennen, entstand eine Auswahlmannschaft, in der Frauen aus zahlreichen Nationen gemeinsam spielen. Spielerinnen aus England, Wales, Irland, Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Österreich, Portugal, Spanien und sogar den USA haben bereits das ROTW-Trikot getragen.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, eine sportliche Eliteauswahl zu bilden. Vielmehr versteht sich ROTW als Botschafterteam für jene Werte, die den Walking Football ursprünglich ausmachen:

  • Fair Play
  • Freundschaft
  • Gesundheit
  • Inklusion
  • internationale Verständigung
  • lebenslanges Lernen im Sport

Wer für ROTW aufläuft, repräsentiert nicht in erster Linie eine Nation, sondern die Idee eines gemeinsamen Spiels.

Frauen-Walking-Football als soziale Bewegung

Die Entwicklung des Frauen-Walking-Footballs verlief lange Zeit deutlich langsamer als die des Männerbereichs. Noch immer kämpfen viele Frauenmannschaften um Trainingszeiten, Spielmöglichkeiten und öffentliche Wahrnehmung.

Mel Benson spricht seit Jahren offen darüber, dass Frauen häufig die Trainingszeiten erhalten, die im traditionellen Vereinsbetrieb übrig bleiben. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung von Teams wie Braunton FC und ROTW, welches Potenzial im Frauen-Walking-Football steckt.

Denn Walking Football erfüllt für viele Spielerinnen mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • sportliche Aktivität,
  • gesundheitliche Prävention,
  • soziale Teilhabe,
  • Wiedereinstieg nach Verletzungen,
  • Gemeinschaft nach dem Berufsleben,
  • internationale Begegnung.

Internationale Freundschaften statt internationaler Rivalitäten

Besonders bemerkenswert an ROTW ist, dass das Team nationale Grenzen bewusst relativiert.

Während im klassischen Fußball oft die Rivalität zwischen Nationen betont wird, steht bei ROTW die Zusammenarbeit im Vordergrund. Spielerinnen, die sich zuvor nur über soziale Medien oder internationale Turniere kannten, werden zu Mitspielerinnen, Reisegefährtinnen und häufig auch zu Freundinnen.

Gerade im Frauen-Walking-Football entsteht dadurch eine internationale Gemeinschaft, die in ihrer Offenheit und Herzlichkeit außergewöhnlich ist. Die dritte Halbzeit ist hier oft genauso wichtig wie das Spiel selbst.

Ein Vorbild für Europa

Das Projekt ROTW zeigt eindrucksvoll, welche gesellschaftliche Kraft im Walking Football steckt. In einer Zeit, in der viele Sportarten immer stärker auf Leistung, Professionalisierung und Wettbewerb ausgerichtet werden, erinnert dieses Team an eine einfache Wahrheit:

Fußball muss nicht trennen, um zu begeistern.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft von Melanie Benson und ihrem Team:

Nicht die Nationalität entscheidet darüber, wer dazugehört.
Nicht das Alter.
Nicht die Geschwindigkeit.

Sondern allein die Bereitschaft, gemeinsam im Spiel zu bleiben.

Die GEHZETTE gratuliert REST OF THE WORLD (ROTW) und insbesondere Melanie Benson zur Auszeichnung als TEAM DER WOCHE #20.

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