Es gibt diese Menschen im Walking Football, die nicht laut auftreten müssen, um aufzufallen.
Sie stehen nicht im Mittelpunkt, suchen keine Bühne – und genau deshalb bleiben sie vielen in Erinnerung.

Beim Almelo City Cup 2026 war eine dieser Personen kaum zu übersehen:
Jessica Reimer.
Neon-gelbes Trikot. Schwarze Hose. Klare Haltung. Ruhige Präsenz.
Zwischen 48 Teams aus mehreren Ländern, dutzenden Spielen, internationalen Gästen und einem Stadion voller Stimmen war sie die einzige Frau im Kreis der Spielbegleiterinnen und Spielbegleiter. Und irgendwann war genau das plötzlich gar kein Thema mehr. Weil ihre Leistung sprach.
Der Weg nach Almelo begann nicht mit einem großen Plan.
Eher mit kleinen Stationen. Einsätze in Osnabrück. Begegnungen in Dänemark. Kontakte, die wachsen. Vertrauen, das entsteht. Als kurzfristig ein Schiedsrichter ausfiel, rückte Jessica nach. Was zunächst wie ein spontaner Einsatz wirkte, wurde am Ende zu einem jener Wochenenden, die bleiben.
Schon die Anreise fühlte sich nach Abenteuer an. Früh am Morgen los. Navigationsgerät gegen niederländische Straßen. Englisch in Mails. Niederländisch in Besprechungen. Internationale WhatsApp-Gruppen. Viel Improvisation. Viel Mut. Und zwischendurch immer wieder der Gedanke: „Bloß nicht negativ auffallen.“
Doch genau das Gegenteil passierte.
Bereits nach den ersten Spielen kam positives Feedback von Teams und Kolleginnen und Kollegen. Nicht laut. Nicht übertrieben. Sondern respektvoll. Ehrlich. So, wie man sich im Walking Football Anerkennung verdient.
Besonders eindrucksvoll wurde es bei der offiziellen Vorstellung aller Mannschaften und Spielbegleitenden im Stadion. Als ihr Name aufgerufen wurde, gab es Applaus von den Rängen. Kein höfliches Klatschen. Sondern dieser ehrliche, spontane Applaus, der sagt:
„Gut, dass du hier bist.“
Und vielleicht beschreibt genau das den Geist von Almelo.
Denn der Almelo City Cup ist weit mehr als nur ein Turnier. Er ist ein Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Ländern für zwei Tage dieselbe Sprache sprechen – auch wenn sie sich sprachlich oft gar nicht verstehen. Die Sprache heißt Gemeinschaft.
Ein emotionaler Höhepunkt folgte am Abend.
Eigentlich wollte Jessica nach den Gruppenspielen nur kurz durchatmen. Duschen. Runterkommen. Stattdessen kam die Nachricht:
„Wo bist du? Schnell runterkommen!“
Wenig später stand sie auf einer großen Bühne. Vor vielen Menschen. Unter Scheinwerfern. Neben erfahrenen internationalen Spielbegleitern. Und plötzlich fiel erneut ihr Name. Auszeichnung. Applaus. Überraschung. Ein Moment zwischen Überforderung und Stolz.
Gerade solche Augenblicke zeigen, worum es im Walking Football eigentlich gehen kann:
Nicht um Macht. Nicht um Ego. Sondern um Anerkennung, Haltung und Miteinander.
Dass Jessica am zweiten Tag dann auch noch das Frauenfinale leiten durfte, war fast die logische Fortsetzung dieses Wochenendes. Natürlich gehört Nervosität dazu. Verantwortung ebenfalls. Und auch die emotionalen Seiten des Sports bleiben nicht aus. Eine Verletzung im Spiel traf sie selbst sichtbar mit. Wer Walking Football begleitet, begleitet eben immer auch Menschen.
Nach zwei intensiven Tagen war die Erschöpfung groß. Aber noch größer war offenbar das Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Geschichte dieses Wochenendes:
Nicht „die einzige Frau unter 16 Schiedsrichtern“.
Sondern eine Spielbegleiterin, die ihren Platz gefunden hat.
Mit Ruhe. Mit Mut. Mit Haltung.
Oder wie man beim Walking Football vielleicht sagen würde:
Manche pfeifen Spiele.
Andere begleiten Begegnungen.
