Hier erzählen wir jeden Freitag die Geschichten der Menschen hinter dem Walking Football – Spielerinnen, Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Engagierte, die diese Sportart prägen.
Gesicht | Huib Rouwenhorst
Spieler. Denker. Brückenbauer.


WALKING FOOTBALL IST GEMEINSCHAFT —
NICHT PRESTIGE.Regeln sollten Teilhabe ermöglichen —
nicht Leistung belohnen.— Huib Rouwenhorst
Goldstars Heracles Almelo
HALTUNGSNOTE — Gastkommentar von Huib Rouwenhorst
👣⚽️✌🏻 Zwischen Wettbewerb und Teilhabe
Als niederländischer Verein nehmen wir regelmäßig an Turnieren in Deutschland teil — und sind überwiegend sehr zufrieden. Gleichzeitig beobachten wir eine Entwicklung, die viele im Walking Football beschäftigt: den wachsenden Fokus auf Gewinnen, Prestige und Leistung.
Walking Football wurde geschaffen, um Bewegung, Gesundheit und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Doch wenn Turniere und Regelanpassungen zunehmend aus einer leistungsorientierten Perspektive gedacht werden, geraten genau jene unter Druck, für die diese Sportform ursprünglich gedacht ist — Menschen mit geringerer Mobilität, mit gesundheitlichen Einschränkungen oder einfach mit einem anderen Tempo.
Ein Beispiel ist die Einführung eines Kreises vor dem Tor in manchen Wettbewerben. Die Idee dahinter war, mehr Tore zu ermöglichen und offensives Spiel zu fördern. In der Praxis entstehen jedoch neue Probleme:
Spielende betreten den Kreis unbeabsichtigt, es kommt zu Strafstößen, Diskussionen und zusätzlichem Druck — besonders für müde oder weniger mobile Spielerinnen und Spieler. Gleichzeitig zeigt sich, dass leistungsorientierte Teams taktisch reagieren und sich das Spiel lediglich verlagert, ohne dass der gewünschte Effekt eintritt.
Mehr Regeln bedeuten nicht automatisch mehr Freude oder Fairness. Oft führen sie zu mehr Diskussionen und entfernen das Spiel von seinem eigentlichen Charakter: einem angenehmen Sporttag für alle.
Auch kulturelle Fragen spielen eine Rolle. Wenn Regeln oder Turnierformate vor allem leistungsstarken Teams dienen, kann das inklusive Miteinander leiden — etwa wenn gemischte Teams oder die Teilnahme von Frauen weniger akzeptiert werden.
Eine weitere Beobachtung betrifft die Auslegung bestehender Regeln. In einigen Regionen wird etwa weniger konsequent gepfiffen, wenn der Ball über Kopfhöhe gespielt wird, um das Spiel „flüssiger“ zu machen. Doch gerade Sicherheitsregeln sind zentral für ältere Spielende — sie bilden die Grundlage dafür, dass Walking Football überhaupt zugänglich bleibt.
Jüngere Menschen im Walking Football sind willkommen. Gleichzeitig sollte sich die Sportform nicht von ihrem ursprünglichen Zweck entfernen. Anpassung muss in beide Richtungen gedacht werden.
Regeländerungen sollten deshalb vor allem drei Fragen beantworten:
Dienen sie der Sicherheit?
Fördern sie Teilhabe?
Stärken sie Respekt und Spielfreude für alle?
Walking Football ist mehr als ein Wettbewerb. Es ist eine Gemeinschaft.
Weniger Leistungsdruck und ein bewusster Blick auf Inklusion können dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen langfristig Teil dieser Bewegung bleiben.
— Danke Huib Rouwenhorst für deinen Beitrag als Gastautor GEHZETTE „Haltungsnote“ 👣⚽️✌🏻

Danke für Deinen Beitrag Huib. Ich sehe es auch so, dass dieser wunderbare Sport, langsam in Richtung „Leistung und Erfolg“ driftet. Es sollte doch immer der Spaß im Vordergrund stehen, für alle, die körperlich nicht dem normalen Fußball, mehr nachgehen können.
Besser kann man es nicht zusammenfassen. Mich ärgert dieses Leistungsprinzip auch ungemein. Und dafür würde Walking Football nicht geschaffen um ein alt Herren Fussball zu organisieren. Wenn wir auf Turniere fahren sind wir die einzigen dbei der die Mannschaft aus der Hälfte Frauen besteht…das ist natürlich körperlich ein immenser Nachteil aber wir leben das Grundprinzip..und dahin sollte man wieder zurück kommen oder die Sportarten trennen…Walking Football und geh- alt Herren Fussball…und die regen sich auf das bei uns Leute spielen die 49 sind..und nicht 50..bei uns aber 5 Frauen auf dem Platz stehen… international sieht die Frauenquote sehr anders aus als national…ich hoffe das kommt irgendwann mal bei unseren Mannschaften an…denn macht es auch wieder Spaß
Liebe Walking-Football-Freundinnen und -Freunde,
die Wortmeldungen von Huib Rouwenhorst, Artur Morczinek, Patrick Schulze und Frank Baltes treffen einen Nerv. Viele spüren, dass sich etwas verschiebt. Wo früher das gemeinsame Gehen im Vordergrund stand, steht heute mancherorts das Gewinnen. Wo Inklusion selbstverständlich war, wird plötzlich über Altersgrenzen, Kaderoptimierung und taktische Vorteile diskutiert.
Die Kritik ist keine Fundamentalkritik am Sport.
Sie ist ein Weckruf zur Balance.
Walking Football darf sich entwickeln — aber er darf sich nicht entfernen von seiner Idee: Bewegung ermöglichen. Gemeinschaft stiften. Menschen einbinden, die im klassischen Fußball keinen Platz mehr finden.