Rimini. Ende Mai.
Die Sonne brennt auf den Kunstrasen, irgendwo klappert eine Espressotasse, und zwischen Palmen, weißen Hallendächern und rot-weißen Stutzen läuft eine Fußballidee über den Platz, die längst mehr ist als nur „gehen statt rennen“.

Die GEHZETTE war mittendrin bei den nationalen CSEN-Finals 2026 in Rimini. Eingeladen waren die Männer von SPIN 25 Pesaro gemeinsam mit ADA Potenza, um Walking Football auf nationaler Bühne zu vertreten. Und was zunächst nach einem kleinen Wochenendturnier klingt, fühlte sich vor Ort eher wie ein Familientreffen mit Ball an.
Schon beim ersten Gruppenfoto war klar: Hier geht es nicht um Hochglanzprofis oder Tabellenrechner. Hier stehen Menschen auf dem Feld, die Fußball nicht losgelassen hat – auch wenn die Knie manchmal anderer Meinung sind.
Die Mannschaft aus Pesaro trat in zwei Formationen an. Mal im weißen Dress mit roten Akzenten, mal im auffälligen Graffiti-Trikot, das aussah, als hätte jemand Straßenkunst direkt auf Polyester gedruckt. Kapitänsbinde am Arm, breites Lächeln im Gesicht – Valentino Tonici führte seine „Old Boys“ durch zwei intensive Tage unter der Adriasonne.
Besonders auffällig: Gianfranco Cangialosi.
Fünf Tore in offiziellen Spielen für SPIN 25. Eine Zahl, die in Rimini mehrfach stolz erwähnt wurde. Und ja – man merkte ihm an, dass er jedes einzelne davon noch genau weiß.
Hinten hielt Torwart Ciro Amato die Mannschaft immer wieder im Spiel. Zahlreiche starke Paraden, schnelle Reflexe und diese typische Ruhe, die man nur bekommt, wenn man vermutlich schon auf Asche, Hartplatz, Rasen und vielleicht sogar zwischen parkenden Fiats Fußball gespielt hat.
Zwischen den Spielen wurde gelacht, diskutiert, fotografiert.
Die Begegnungen mit ADA Potenza wirkten weniger wie Gegnerduelle und mehr wie ein Treffen alter Freunde, die sich zufällig erst vor wenigen Stunden kennengelernt hatten. Genau darin liegt vielleicht die besondere Kraft des Walking Footballs in Italien: Wettbewerb ja – aber niemals ohne Begegnung.
Und dann diese Bilder:
Spieler im Schatten der Zelte bei der Siegerehrung. Verschwitzte Trikots. Arme auf Schultern. Pokale in den Händen. Menschen, die sich gegenseitig feiern, obwohl wahrscheinlich niemand mehr genau wusste, wie das letzte Ergebnis lautete.
Die vielleicht schönste Szene des Wochenendes entstand ohnehin neben dem Platz:
Gruppenbilder, bei denen ständig noch jemand ins Bild rief, jemand lachte, jemand die Kamera verdeckte oder gerade noch schnell den Ball zurechtlegte. Perfekt unperfekt. Genau richtig.
Viel Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht.
Kaum war Rimini vorbei, ging der Blick bereits weiter Richtung Borgo Santa Maria. Dort wartet schon das nächste Treffen – diesmal gemeinsam mit den Freunden der sammarinesischen Fußballföderation.
Walking Football in Italien bewegt sich.
Nicht laut. Nicht geschniegelt. Sondern menschlich.
Mit Sonne auf der Haut, Geschichten in den Beinen und dieser besonderen Mischung aus Ehrgeiz, Nostalgie und Lebensfreude, die man wahrscheinlich nur versteht, wenn man selbst einmal mit roten Stutzen auf italienischem Kunstrasen gestanden hat.
