DAS SPIEL VERSTEHEN #18 // Wahrnehmen – Verstehen – Weiterentwickeln

„Lauf doch nicht ständig in den Gegner!“
„Du musst den Ball früher spielen!“
„Das war schon wieder zu schnell!“

Sätze wie diese hört man auf vielen Fußballplätzen. Sie sind meist gut gemeint, lösen aber oft wenig aus. Im schlimmsten Fall führen sie sogar dazu, dass sich Menschen angegriffen fühlen und innerlich abschalten.

Gerade im Walking Football, wo Menschen mit ganz unterschiedlichen sportlichen Erfahrungen, körperlichen Voraussetzungen und Lebensgeschichten zusammenkommen, braucht Coaching einen anderen Ansatz.

Einen Ansatz, der Entwicklung ermöglicht.

Das WWW-Modell

Eine einfache und wirkungsvolle Methode ist das sogenannte WWW-Modell:

Wahrnehmung – Wirkung – Wunsch

Statt Vorwürfen stehen Beobachtung, Verständnis und konkrete Hilfestellung im Mittelpunkt.


W wie Wahrnehmung

Der erste Schritt besteht darin, zu beschreiben, was tatsächlich beobachtet wurde.

Nicht:

„Du verlierst ständig den Ball.“

Sondern:

„Mir ist aufgefallen, dass du heute häufig den ersten Kontakt nach vorne nimmst.“

Der Unterschied ist gewaltig.

Während die erste Aussage bewertet und verurteilt, beschreibt die zweite lediglich eine Beobachtung. Der Gesprächspartner muss sich nicht verteidigen und bleibt offen für das Feedback.


W wie Wirkung

Im zweiten Schritt wird erklärt, welche Folgen das beobachtete Verhalten hat.

Zum Beispiel:

„Dadurch wird es für die Mitspieler schwieriger, sich freizulaufen, und wir verlieren manchmal die Kontrolle über den Ball.“

Jetzt entsteht Verständnis.

Der Spieler erfährt nicht nur, dass etwas anders laufen könnte, sondern auch warum.

Gerade im Walking Football ist dieses Verständnis entscheidend. Das Spiel lebt weniger von Tempo und Kraft als von Übersicht, Kommunikation und gemeinschaftlichen Lösungen.


W wie Wunsch

Der dritte Schritt richtet den Blick nach vorn.

Nicht zurück auf den Fehler.

Nicht auf die Schuldfrage.

Sondern auf die nächste Handlung.

Zum Beispiel:

„Ich wünsche mir, dass du vor dem ersten Kontakt kurz den Kopf hebst und nach einer freien Anspielstation suchst.“

Der Spieler weiß nun genau, was er ausprobieren kann.

Aus Kritik wird Entwicklung.


Warum das im Walking Football so gut funktioniert

Walking Football ist mehr als eine Sportart.

Menschen treffen hier aufeinander, die teilweise jahrzehntelang keinen Fußball mehr gespielt haben. Andere kommen nach Verletzungen zurück. Manche entdecken den Mannschaftssport überhaupt erst im höheren Alter.

Deshalb geht es nicht darum, Fehler zu sammeln.

Es geht darum, Fortschritte sichtbar zu machen.

Wer Menschen dauerhaft für Bewegung begeistern möchte, muss ihnen Sicherheit geben. Das gelingt selten durch Vorwürfe, aber sehr häufig durch wertschätzendes Feedback.


Coaching heißt nicht Recht haben

Die besten Übungsleitenden sind oft nicht diejenigen, die am lautesten erklären.

Sondern diejenigen, die aufmerksam beobachten.

Sie nehmen wahr.

Sie helfen beim Verstehen.

Und sie begleiten Menschen bei ihrer Weiterentwicklung.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Aufgabe eines Walking-Football-Coaches:

Nicht Spieler zu verändern.

Sondern ihnen dabei zu helfen, die beste Version ihres eigenen Spiels zu entdecken.


Merksatz der Woche

⚽ Wahrnehmen – Verstehen – Weiterentwickeln

Denn gutes Coaching beginnt nicht mit Kritik.

Es beginnt mit Aufmerksamkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen