„Wir wollen nicht die Ausnahme sein.“
Sylvia Heitmüller und Kathrin Funk sprechen heute im GEHZETTE-Podcast über Frauen im Walking Football

Es gibt Podcastfolgen, die laut sind.
Und es gibt Folgen, die wirken, weil sie ruhig bleiben.
Die heutige Ausgabe von „DEIN FLACHER PASS INS OHR“ auf Spotify gehört eindeutig zur zweiten Sorte.
GEHZETTE begrüßt heute zwei Frauen, die den Blick auf Walking Football verändern — nicht durch große Parolen, sondern durch Erfahrungen, Beobachtungen und klare Worte: Sylvia Heitmüller von der TSG Seckenhaus-Fahrenhorst und Kathrin Funk von SG Askania Cöpenik.
Gemeinsam mit Steffan Wemcken und Rolf Jone Allerdissen sprechen sie darüber, wie Frauen Walking Football erleben.
Nicht „als Ergänzung“.
Nicht „als Sonderfall“.
Sondern als selbstverständlicher Teil des Spiels.
Und genau darin liegt die Kraft dieser Folge.
Zwischen Fair Play und Wirklichkeit
Walking Football bezeichnet sich gerne als inklusiv, offen und gemeinschaftlich.
Doch wie sieht das eigentlich aus, wenn Frauen den Platz betreten?
Sylvia und Kathrin erzählen von gemischten Teams, von freundlichen Begegnungen — aber auch von Situationen, in denen sie merken:
Der Sport ist vielerorts noch immer stark männlich geprägt.
Nicht unbedingt feindselig.
Aber oft unbewusst.
Da werden Frauen automatisch als „Anfängerinnen“ gesehen.
Da übernehmen Männer sofort taktische Erklärungen.
Da entsteht manchmal das Gefühl, sich erst beweisen zu müssen, bevor man einfach nur mitspielen darf.
Und genau darüber wird heute gesprochen.
Ohne Bitterkeit.
Ohne ideologische Schärfe.
Aber mit einer Ehrlichkeit, die hängen bleibt.
„Manchmal reicht schon ein Blick.“
Besonders eindrucksvoll ist die Beschreibung jener kleinen Situationen, die viele Männer vermutlich gar nicht wahrnehmen.
Ein Augenrollen nach einem Fehlpass.
Ein ungefragtes Coachen.
Die Überraschung darüber, dass Frauen körperlich robust, taktisch clever oder technisch stark spielen können.
Es sind keine großen Skandale.
Aber es sind Momente, die darüber entscheiden, ob jemand bleibt — oder irgendwann nicht mehr wiederkommt.
Sylvia beschreibt es sinngemäß so:
„Manchmal reicht schon ein Blick, damit du weißt, ob du wirklich willkommen bist.“
Ein Satz, der weit über Walking Football hinausgeht.
Frauen reden anders über Fußball
Interessant wird die Folge immer dann, wenn deutlich wird, dass Frauen den Sport oft mit einem anderen Schwerpunkt erleben.
Weniger Status.
Weniger Ego.
Weniger „Wer war früher besser?“.
Dafür mehr:
- Gemeinschaft
- Bewegung
- Gesundheit
- Atmosphäre
- gegenseitige Rücksicht
Das bedeutet nicht, dass Frauen weniger ehrgeizig wären.
Im Gegenteil.
Aber viele der Gedanken von Sylvia und Kathrin passen erstaunlich präzise zu jener Idee von Walking Football Classic, über die GEHZETTE seit Monaten diskutiert:
Der Mensch zuerst.
Dann das Spiel.
Fair Play beginnt nicht beim Schiedsrichter
Ein zentraler Gedanke der Folge:
Fair Play entsteht nicht durch Regeln allein.
Nicht durch gelbe Karten.
Nicht durch Turnierordnungen.
Nicht durch Diskussionen darüber, ob jemand „doch ein bisschen gelaufen“ ist.
Fair Play beginnt bei der Haltung.
Und genau hier bringen Sylvia und Kathrin einen wichtigen Blick ein.
Sie sprechen darüber, wie schnell eine Atmosphäre kippen kann, wenn Ehrgeiz wichtiger wird als Begegnung.
Das betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen.
Aber Frauen spüren solche Veränderungen oft früher, direkter und emotional klarer.
Vielleicht auch deshalb, weil viele von ihnen nicht aus einer jahrzehntelangen Fußballsozialisation kommen, in der Härte, Lautstärke und Konkurrenz als Normalität gelten.
Walking Football braucht Frauen — nicht irgendwann, sondern jetzt
Die Folge macht deutlich:
Frauen im Walking Football sind kein „Zusatzprojekt“.
Keine Randnotiz.
Keine nette Abteilung für später.
Sie sind entscheidend dafür, welche Kultur dieser Sport entwickelt.
Denn wo Frauen selbstverständlich mitspielen, verändert sich häufig auch die Kommunikation auf dem Platz.
Der Umgangston.
Die Dynamik.
Die Rücksichtnahme.
Nicht automatisch.
Aber spürbar.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Zukunft des Walking Footballs:
Nicht schneller.
Nicht härter.
Nicht professioneller.
Sondern menschlicher.
Eine Folge ohne Pose
Was diese Podcastfolge besonders macht, ist ihre Unaufgeregtheit.
Niemand versucht, moralisch überlegen zu wirken.
Niemand hält Vorträge.
Niemand ruft nach großen Revolutionen.
Stattdessen entsteht etwas Seltenes:
Ein echtes Gespräch.
Mit Nachdenklichkeit.
Mit Humor.
Mit leisen Zwischentönen.
Und vielleicht ist genau das der „flache Pass“, den Walking Football derzeit am dringendsten braucht.
Nicht den langen Ball nach vorne.
Sondern das kurze, genaue Zuspiel mitten hinein in die eigene Haltung.
Unser Resümee
Die heutige Ausgabe von „DER FLACHE PASS“ ist keine Spezialfolge „über Frauen“.
Sie ist eine Folge über die Frage, wie Walking Football eigentlich sein möchte.
Offen?
Respektvoll?
Gesundheitsorientiert?
Fair?
Dann lohnt es sich zuzuhören.
Nicht um Antworten zu bekommen.
Sondern um bessere Fragen zu stellen.
