TEAM DER WOCHE #12 // Frauen Walking Football Reiskirchen

Ein Team entsteht nicht durch Erfahrung – sondern durch Mut, anzufangen.


Manchmal beginnt ein Spiel nicht mit einem Pfiff.
Sondern mit einem Blick vom Spielfeldrand.

In Reiskirchen war es genau so ein Moment:
Ein paar Frauen schauen zu. Männer trainieren Walking Football.
Und dann fällt dieser eine Satz: „Warum eigentlich nicht wir?“

Was folgt, ist kein Projekt.
Es ist Bewegung. Und zwar die richtige.


DER ANFANG: NICHT AUS TRADITION – SONDERN AUS NOTWENDIGKEIT

Während bei den Männern jahrzehntelange Fußballbiografien zusammentreffen, beginnt die Geschichte der Frauen in Reiskirchen bei null. Keine Vergangenheit im Verein. Keine taktischen Altlasten. Kein „Das haben wir schon immer so gemacht“.

Viele von ihnen haben nie zuvor Fußball gespielt.

Und genau darin liegt die Kraft.

Denn wo Unterschiede zu groß werden, entsteht manchmal etwas Eigenes.
Keine Abgrenzung – sondern eine Einladung.

Ein Raum, in dem Lernen wichtiger ist als Können.
Und Mut wichtiger als Erfahrung.


DER FUNKE: DANIELA UND DER BLICK NACH NEBENAN

TSG Reiskirchen Frauen Walking Football

Daniela Rippl steht am Anfang dieser Geschichte.
Als Trainerin der U14-Juniorinnen sieht sie Woche für Woche das Training der Walking-Football-Männer – und erkennt sofort: Das passt.

Sie spricht Fußballmamas an.
Ein paar sagen zu.
Dann kommen mehr.

Roland Kühn und Jo Ensle übernehmen Verantwortung. Regeln, Technik, Struktur.
Facebook, Zeitung, Mundpropaganda – der Rest läuft fast von allein.

Aus einem „Mal ausprobieren“ wird ein Team.

Ein echtes.


DREI WORTE, DIE MEHR SAGEN ALS TAKTIKTAFELN

Lustig.
Gesellig.
Ambitioniert.
Lernwillig.

Vier Worte – und kein einziges davon beschreibt ein Ergebnis.
Sondern Haltung.


TRAINING: NICHT HÄRTER – SONDERN EHRLICHER

Was hier passiert, ist kein klassisches Leistungsdenken.

Es ist Unterstützung.

Erfahrene Spielerinnen helfen Einsteigerinnen.
Fehlpässe werden nicht bewertet – sondern begleitet.
Ein Lachen gehört dazu. Immer.

Ja, gewinnen will jede.
Aber nicht um jeden Preis.

Sondern mit einem Augenzwinkern.


GEMEINSCHAFT: DIE DRITTE HALBZEIT BEGINNT FRÜHER

Walking Football endet nicht mit dem Abpfiff.

Kaffee trinken.
Gemeinsame Weihnachtsfeiern.
Ideen für Auswärtsfahrten – vielleicht nach Hamburg.

Das ist kein Beiwerk.
Das ist der Kern.


ENTWICKLUNG: DER SCHÖNSTE „AHA-MOMENT“

Der größte Moment ist kein Tor.

Es ist der Blick zurück.

Ein Jahr später:
Pässe kommen an.
Tore fallen.
Ein Team steht da.

Platz 4 von 5 beim ersten Turnier?
Geschenkt.

Wichtiger ist:
Sie sind angekommen.

Und sie wollen mehr.


DAS SPIEL: LANGSAMER – ABER KLARER

Walking Football zwingt zur Disziplin.
Nicht rennen.
Sauber passen.

Fehler lassen sich nicht „weglaufen“.
Also müssen sie verstanden werden.

Das Spiel wird ruhiger.
Aber nicht einfacher.


DIE LÜCKE IM SYSTEM – UND DIE CHANCE

Während Männer nach ihrer aktiven Zeit oft einfach „Alte Herren“ spielen, endet für viele Frauen der organisierte Fußball irgendwann abrupt.

Keine Anschlussstruktur.
Kein Angebot.

Walking Football schließt diese Lücke.

Und öffnet gleichzeitig eine neue Tür – auch für diejenigen, die nie gespielt haben.


WAS ES BRAUCHT: MUT AUF VEREINSEBENE

Mehr Angebote.
Mehr Sichtbarkeit.
Mehr Unterstützung durch Verbände.

Und vor allem:
Weniger starre Altersgrenzen.

Denn Realität schlägt Regelwerk.


DER KERN: LEBENSQUALITÄT

Was hier entsteht, ist mehr als Sport.

Es ist Vorfreude auf Montag.
Es ist Bewegung ohne Druck.
Es ist Gemeinschaft ohne Bewertung.

Es ist ein Stück Leben mehr.


BOTSCHAFT AN ALLE, DIE NOCH ZÖGERN

Probiert es aus.

Nicht irgendwann.
Sondern jetzt.

Walking Football ist kein Ersatz.
Es ist ein Einstieg.
Oder ein Neustart.


KABINENSATZ DER WOCHE

„Was hatten wir wieder Spaß heute!“


Der ruhige Blick:
Reiskirchen zeigt, was passiert, wenn man nicht fragt, ob etwas erlaubt ist – sondern ob es sinnvoll ist.

Walking Football für Frauen ist kein Sonderfall.
Es ist längst überfällig.

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