HALTUNGSNOTE #7 – Gesichter der Gehstrecke

Noch auf der Laufstrecke – mit 84 Richtung Brisbane


Er hat Sport studiert, in der DDR-Bezirksliga gespielt und steht heute – mit 84 Jahren – in einem ganz besonderen Trikot auf dem Platz und schaut in die Kamera. Peter Rodenwald ist kein gewöhnlicher Fußballer. Er ist einer, der geblieben ist. Im Spiel. Im Leben.


Der lange Weg zurück auf den Platz beginnt nicht mit einem Sprint. Sondern mit einem Schritt.

Peter Rodenwald geht ihn jeden Tag.
Neun bis zehn Kilometer.
Nicht als Pflicht. Sondern als Haltung.

Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Da ist keine Nostalgie. Da ist Freude. Fast kindlich. Und gleichzeitig getragen von einem Leben im Sport.


Die Grundlage: Leipzig, DHfK, Schwerin

Sein Weg begann strukturiert.
Studium an der DHfK Leipzig – eine der prägendsten Ausbildungsstätten für Sportlehrer in der DDR. Trainingslehre, Methodik, Disziplin.

Auf dem Platz führte ihn dieser Weg bis in die DDR-Bezirksliga bei Motor Schwerin – damals seine höchste Spielklasse.

„Das war leistungsorientierter Fußball. Klar, direkt, fordernd.“

Was geblieben ist:
Das Verständnis für Training.
Für Belastung.
Und für das, was ein Körper leisten kann – und wann er Pausen braucht.


Der dritte Frühling

Dann kommt etwas, das viele nicht mehr erwarten.
Ein dritter Frühling.

Mit über 80 Jahren steht Rodenwald wieder im Fokus. Einladung. Sichtung. Ankum, Osnabrücker Land. Zwölf Teilnehmer.

Zusage.

Nicht aus Nostalgie.
Sondern, weil er besser war als andere.


Team für Deutschland – mit 84

Was folgt, ist kein Ausklang. Es ist ein Programm:

  • Sichtungslehrgang in Ankum
  • Trainingslager in Ruppertshofen
  • Turnier in Cardiff (Wales, England, Dänemark, Deutschland)
  • Düsseldorf, Manchester, Leverkusen
  • Und schließlich: Brisbane

800 Kilometer Anreise zu Lehrgängen sind keine Ausnahme. Sie sind Teil des Weges.

Sein Schwiegersohn organisiert, begleitet, unterstützt.

Allein wäre das kaum möglich. Zusammen wird es Realität.


Der Körper erinnert sich – und passt sich an

Rodenwald weiß, was sich verändert hat.

  • Ausdauer: besser geworden
  • Kraft und Schnelligkeit: weniger
  • Bewegung: täglich, bewusst gesteuert

300 bis 400 Meter läuft er noch am Stück.
Der Rest ist Gehen.

„Nur ein warmer Motor kann leisten.“

Peter Rodenwald im Interview

20 Minuten Anlaufzeit. Dann funktioniert der Körper.

Die Grundlage ist klar:
Training. Training. Training.
Einmal pro Woche reicht nicht. Drei Einheiten mindestens.


Zwischen Einschränkung und Spielfreude

Ein Sportunfall in den 1970ern hinterließ Spuren.
Die Lunge geschädigt. 10 Monate Rehabilitation. Erst Tischtennis, dann Ballspiele trotz Rückschlägen.

Und trotzdem: Rückkehr.

1990 aus der Kleinstadt Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern in die Nähe von Kiel in Schleswig-Holstein. Fussball beim Raisdorfer TSV, dem er bis heute die Treue hält.

Heute steht nicht mehr die maximale Belastung im Mittelpunkt.
Sondern die richtige.

Auch Walking Football wird zur Antwort.
Nicht als Ersatz. Sondern als Weiterentwicklung.

Weniger Tempo.
Mehr Spiel.
Mehr Bewusstsein.


Was bleibt: Das Spiel

Was ihn antreibt, ist nicht nur das Ergebnis.

Es ist der Moment.

Ein Tor.
Ein Pass.
Ein Lächeln.

„Das Erlebnis steht im Vordergrund.“

Und doch – ein Rest Ehrgeiz bleibt.
Leise. Aber da.


1966 – und ein Leben später

Das Wembley-Tor.
1966.

Auf einem der nur vier Fernsehgeräte (mit einem Bildschirmdiagonale von 25 cm) in Ludwigslust im Alter von 24 Jahren selbst miterlebt.

Auch er erinnert sich heute. Wie viele seiner Generation.

Diskussionen. Zweifel. Gefühl von Ungerechtigkeit.

Fast 60 Jahre später steht er selbst auf internationalen Plätzen.

Keine Revanche im klassischen Sinn.
Aber vielleicht eine leise Antwort.


Respekt ist keine Frage des Alters

Was auffällt: der Umgang.

Respekt.
Miteinander.
Ein anderes Spielverständnis.

„Man geht anders miteinander um.“

Vielleicht ist das die größte Stärke des Fußballs im Alter:
Er verliert die Härte – und gewinnt an Haltung.


Brisbane – und dann 85

Im Oktober geht es nach Australien.
Brisbane.

Ein weiter Weg. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Danach wird Peter Rodenwald 85 Jahre alt.

Und wahrscheinlich wird er weitergehen.
Schritt für Schritt.


Seine Botschaft

Bewegung ist keine Frage des Alters.
Sondern der Entscheidung.

Und Fußball?
Hört nicht auf.

Er verändert sich.


Das Resümee
Peter Rodenwald spielt keinen Fußball mehr wie früher.
Aber vielleicht spielt er ihn heute richtiger denn je.

Hier könnt ihr Peter Rodenwald unterstützen:
https://www.gofundme.com/f/ein-lebenstraum-mit-84-peter-spielt-fur-u80nationalteam

Nach oben scrollen