HALTUNGSNOTE #3 – Gesichter der Gehstrecke

Hier erzählen wir jeden Freitag die Geschichten der Menschen hinter dem Walking Football – Spielerinnen, Spieler, Schiedsrichter, Trainer und Engagierte, die diese Sportart prägen.

Gesicht | Steffan Wemcken

Spieler. Organisator. Hüter der Idee.

Walking Football ist mehr als ein Ergebnis

Über Kultur, Regeln und Verantwortung im Spiel

„Walking Football wurde nicht erfunden, um Turniere zu gewinnen.“

Mit diesem Satz bringt Steffan Wemcken eine Wahrheit auf den Punkt, die im Alltag des Sports manchmal in den Hintergrund gerät. Walking Football entstand nicht aus der Logik des Wettbewerbs, sondern aus einer Idee der Teilhabe: Menschen sollten auch im fortgeschrittenen Alter weiterhin Fußball spielen können – angepasst an ihre körperlichen Möglichkeiten.

Der Kern dieses Sports ist deshalb nicht das Ergebnis.
Der Kern ist die Erfahrung des Spiels.

Walking Football will nachhaltig betrieben werden. Die Kultur dahinter ist darauf ausgerichtet, den Spielenden ein Umfeld zu geben, in dem sie ihrem Sport nachgehen können – entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten. Das bedeutet auch: Erfolg wird hier anders definiert als im klassischen Leistungsfußball.

Ein gelungenes Training erkennt man nicht allein am schönsten Tor.
Sondern daran, dass alle Beteiligten mit einem guten Gefühl vom Platz gehen.

Jeder soll seine Momente haben.
Seine Aktion.
Seinen Pass.
Sein Tor.

Und manchmal bedeutet das auch, dem Mit- oder Gegenspieler etwas zu gönnen.


Die Rolle der Schiedsrichter

In dieser besonderen Kultur kommt den Schiedsrichtern eine zentrale Rolle zu.

Natürlich achten sie auf die Einhaltung der Regeln. Doch ihre Aufgabe geht darüber hinaus. Sie sind auch Hüter der Spielkultur.

Walking Football lebt von Fairness, Respekt und gegenseitiger Rücksichtnahme. Ein Spiel kann regelkonform sein – und dennoch dem Geist des Sports widersprechen. Gute Schiedsrichter erkennen diesen Unterschied.

Sie moderieren das Spiel.
Sie sorgen für Balance.
Und sie schützen die Atmosphäre, in der Walking Football überhaupt funktionieren kann.


Wenn Regeln nicht zur Kultur passen

Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf das aktuelle Regelwerk.

Eine intensive Auseinandersetzung mit den vom Deutscher Fußball-Bund herausgegebenen Walking-Football-Regeln zeigt, dass einige Bestimmungen unscharf, widersprüchlich oder missverständlich formuliert sind.

Das führt in der Praxis zu Problemen:

  • Regeln werden unterschiedlich interpretiert
  • Spielleitungen geraten in schwierige Situationen
  • Teams haben unterschiedliche Erwartungen an das Spiel

Wenn ein Sport wachsen will, braucht er klare und nachvollziehbare Regeln. Vor allem aber müssen diese Regeln zum Geist des Spiels passen.

Walking Football steht an einem Punkt, an dem genau diese Diskussion notwendig wird.


Reform statt Dogma

Eine Reform des Regelwerks bedeutet nicht, den Sport zu verändern.
Im Gegenteil.

Es geht darum, das Regelwerk so zu gestalten, dass es die ursprüngliche Idee besser schützt:

  • Sicherheit der Spielenden
  • Teilhabe für unterschiedliche Leistungsniveaus
  • Fairness und Spielkultur
  • langfristige Gesundheit

Walking Football ist ein junger Sport. Seine Regeln dürfen – und müssen – sich weiterentwickeln.

Denn wenn der Sport wachsen soll, muss eines immer gelten:

Alle gehen zufrieden vom Platz.

Und das ist am Ende vielleicht der wichtigste Sieg überhaupt.

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