„Ich dachte, das ist Altherren – am Ende war es Fußball.“

Heyrothsberge, 1. Mai.
Sonne im Gesicht, Spielfeld vor Augen. GEHZETTE spricht mit einem Zuschauer, der zum ersten Mal Walking Football erlebt.
GEHZETTE: Du bist heute zum ersten Mal hier. Was hast du erwartet?
Zuschauer:
Ehrlich? Dass es langsam ist. So ein bisschen Standfußball. Mehr Gerede als Spiel.
GEHZETTE: Und jetzt – nach ein paar Spielen?
Zuschauer:
Komplett daneben gelegen. Das ist ruhig, ja – aber nicht langsam. Der Ball läuft. Und wie.
Man merkt schnell: Wer hier stehen bleibt, ist raus.
GEHZETTE: Was hat dich am meisten überrascht?
Zuschauer:
Die Art, wie miteinander umgegangen wird. Kein großes Gemecker, kein übermäßiges Theater.
Ich hab das Gefühl, hier vertrauen die Leute dem Spiel – und sich gegenseitig.
GEHZETTE: Gab es ein Spiel, das hängen geblieben ist?
Zuschauer:
Ja, das vom TuS 1860 Magdeburg gegen den 1. FC Magdeburg.
3:2. Das hatte alles. Spannung, Ruhe, Übersicht. Kein Zufallstor – das Unentschieden rausgespielt. Das Strafstoßschießen gewohnheitsbedürftig aber genauso spannend wie beim „echten“ Fußball.
GEHZETTE: Am Ende gewinnt der 1. FC Magdeburg. Verdient?
Zuschauer:
Ja. Die waren am konstantesten. Und haben vorne einfach mehr gemacht.
Aber Wolfsburg war auch stark – das war richtig eng im letzten Spiel fehlen nur zwei Tore zum Turniersieg.
GEHZETTE: Und abseits vom Sport?
Zuschauer:
Das hat mich fast noch mehr beeindruckt.
Dass hier für den Mukoviszidose Selbsthilfe e.V. gespielt wird – ohne großes Tamtam.
Einfach machen. Das passt zu dem, was ich auf dem Platz gesehen habe.
GEHZETTE: Kommst du wieder?
Zuschauer (lacht):
Ja. Aber dann nicht mehr als Neuling.
Jetzt weiß ich ja, worauf ich achten muss.
GEHZETTE-Schluss:
Manchmal braucht es nur einen Blick von außen,
um zu verstehen, was innen längst klar ist.
Walking Football ist kein langsamer Fußball.
Es ist ein anderer.
