Zwischen Bielefeld, Sønderborg und der „Rest of the World“

Manche Menschen verlassen den Fußball nie wirklich.
Sie verändern nur die Art, wie sie ihn leben.
Bei Nadja Pilzweger begann vieles auf den Bolzplätzen rund um Mönchengladbach. Schon als junges Mädchen spielte sie Fußball auf der Straße, lange bevor Frauenfußball gesellschaftlich selbstverständlich war. Später führte ihr Weg nach Ostwestfalen — und zum DSC Arminia Bielefeld.
Dort wurde sie zu einer prägenden Figur des Frauenfußballs.
162 Meisterschafts- und Pokalspiele absolvierte Pilzweger für die Armininnen. Sie war Spielführerin, Organisatorin, Antreiberin und für viele Mitspielerinnen weit mehr als nur eine Teamkameradin. Bereits damals beschrieben Verantwortliche sie als „Leitwölfin“ — als jemanden, der Mannschaften zusammenhält, Verantwortung übernimmt und auch außerhalb der 90 Minuten für Gemeinschaft sorgt.
2003 wurde Nadja Pilzweger offiziell auf der Alm verabschiedet. Vor großer Kulisse erhielt sie Blumen, Erinnerungsstücke und ein Trikot mit der Nummer 9. Für viele schien damit ein Kapitel beendet.
Heute weiß man:
Es war erst der Anfang.
Nach ihrer aktiven Zeit blieb sie dem Fußball treu. Unter anderem arbeitete sie bei Werder Bremen mit am Aufbau von Kinder- und Seniorenangeboten und gehörte zu den frühen Menschen in Deutschland, die Walking Football nicht als „langsamen Altherrenfußball“, sondern als eigenständige soziale und gesundheitliche Bewegungsform verstanden.
2016 gehörten der VfL Wolfsburg und Werder Bremen zu den ersten Vereinen Deutschlands, die Walking Football offiziell in ihr Programm aufnahmen. Nadja Pilzweger war mittendrin.
Später zog sie nach Sønderborg in Dänemark. Dort begann ein neues Kapitel.
Beim Sønderborg Boldklub engagierte sie sich zunächst im Projekt „Fodbold for Hjertet“ — Fußball für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aus diesem Ansatz entwickelte sich Schritt für Schritt eine feste Walking-Football-Struktur mit Trainerinnen, Gesundheitsprojekten und wachsender sozialer Gemeinschaft.
Mit Erfolg.
Die Kommune Sønderborg zeichnete das Projekt zunächst als beste neue Initiative aus, später folgte sogar ein Gesundheitspreis. Für Pilzweger war das jedoch nie Selbstzweck. Im Mittelpunkt stand immer der Mensch.
Bewegung ohne Leistungsdruck.
Gemeinschaft statt Ausgrenzung.
Freude statt Ergebnisdenken.
Parallel entwickelte sie mit „FOX Hygge & Motion“ eigene Angebote rund um Bewegung, Gedächtnistraining und Prävention. Der dänische Begriff „Hygge“ — Gemütlichkeit, Wärme und gemeinsames Wohlfühlen — passt dabei erstaunlich gut zu ihrer Vorstellung von Walking Football.
Doch Nadja Pilzweger denkt längst international.
Im März dieses Jahres nahm sie in England an einem großen internationalen Walking-Football-Frauenturnier teil. Gespielt wurde in den Altersklassen 40+, 50+, 60+ sowie in einer Inklusionsgruppe. Dort entstand eine besondere Idee:
„Rest of the World“.
Teams aus Spielerinnen verschiedener Nationen. Frauen aus unterschiedlichen Ländern, Kulturen und Lebenswegen — vereint durch Walking Football.
Pilzweger arbeitet seitdem federführend daran, dieses internationale Frauennetzwerk weiter auszubauen. Ziel ist es, mehr Frauen für Walking Football zu begeistern und gleichzeitig soziale Verbindungen über Ländergrenzen hinweg zu schaffen.
Nicht der Erfolg soll dabei im Mittelpunkt stehen.
Sondern der Spaß.
Die Begegnung.
Das gemeinsame Erlebnis.
Beim Almelo City Cup wird erstmals ein „Rest of the World“-Team antreten. Im Juli folgt bereits das nächste internationale Turnier im schwedischen Malmö.
Und auch nach Bielefeld führte der Weg zurück.
Beim Jubiläum der Frauenfußball-Abteilung des DSC Arminia entstand durch ein Wiedersehen ehemaliger Spielerinnen spontan die Idee eines eigenen Walking-Football-Frauenteams. Aus ersten Gesprächen wurde eine WhatsApp-Gruppe. Aus einer Idee wurde ein Team.
Beim Alm-Cup liefen die „Arminia’s Women“ schließlich erstmals gemeinsam auf.
Viele hatten sich Jahre nicht gesehen. Doch als sie morgens an der Hartalm zusammentrafen, war der alte Teamgeist sofort wieder da.
„Plötzlich waren wir wieder wie früher.“
Heute trainieren bereits erste Frauen regelmäßig mit dem bestehenden Walking-Football-Team von Arminia mit. Weitere sollen folgen.
Und vielleicht beschreibt genau das Nadja Pilzwegers Weg am besten:
Sie baut keine kurzfristigen Projekte auf.
Sie schafft Räume, in denen Menschen wieder Teil einer Gemeinschaft werden.
Zwischen Bielefeld, Sønderborg, Almelo, Malmö und England entsteht dadurch gerade etwas, das größer ist als ein Sportangebot.
Ein internationales Netzwerk.
Ein sozialer Gedanke.
Eine neue Fußballkultur.
Oder, wie Nadja es selbst wohl am liebsten formulieren würde:
„Walking Football is more.“
SCHAUKASTEN // Nadja Pilzweger
GEHZETTE Resümee
Nadja Pilzweger. Früher Spielführerin, Führungsspielerin und Identifikationsfigur bei Arminia. Heute lebt sie im dänischen Sønderborg und gehört dort zu den engagiertesten Stimmen für Walking Football, Gesundheitsförderung und gemeinschaftliche Bewegungsangebote.
Nadja arbeitet seit Jahren daran, Walking Football nicht nur als Sport, sondern als soziale und gesundheitliche Bewegung weiterzuentwickeln.








