HELDEN DER GEHSTRECKE #13 // Der Mann, der Polen in Bewegung bringt

Warum Jarosław Paradowski weit mehr ist als nur ein Walking-Football-Spieler

Es gibt Menschen im Walking Football, die auftauchen, spielen und wieder verschwinden. Und es gibt Menschen, die anfangen, etwas aufzubauen.

Jarosław Paradowski gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Wenn man mit ihm spricht, spürt man schnell:
Hier geht es nicht um Selbstdarstellung. Nicht um Titel. Nicht um Pokale für die Vitrine.

Hier geht es um Verantwortung.

Um Menschen.

Um Bewegung.

Und um die Überzeugung, dass Fußball auch mit 60 noch Leben verändern kann.

Vom Fußballfan zum Motor einer Bewegung

Jarosław Paradowski ist seit seiner Kindheit Fan von ŁKS Łódź.

Ein Traditionsverein.
Ein emotionaler Verein.
Ein Verein mit Geschichte.

Doch irgendwann verändert sich Fußball für viele Menschen.

Der Körper wird langsamer.
Die Gelenke lauter.
Die Regeneration länger.

Was früher selbstverständlich war, wird plötzlich schwierig.

Viele hören dann auf.

Jarosław suchte einen anderen Weg.

2019 begegnete er zum ersten Mal dem Walking Football. Er war damals 53 Jahre alt. Und wie bei vielen begann etwas, das zunächst klein wirkte — und später zu einer Lebensaufgabe wurde.

Heute ist er Präsident von „Walking Futbol Polska“, jener Organisation, die den Walking Football in Polen organisiert, vernetzt und sichtbar macht.

Und plötzlich wird klar:
Der Mann organisiert nicht einfach Turniere.

Er baut Strukturen auf, wo vorher kaum welche existierten.

Der stille Architekt

Es gibt Menschen, die laut führen.

Und es gibt Menschen, die einfach machen.

Jarosław wirkt wie Letzterer.

Während in vielen Ländern Walking Football längst etabliert ist, steckt die Sportart in Polen noch mitten im Aufbauprozess. Genau dort beginnt seine Arbeit.

Internationale Kontakte.
Turniere.
Ligen.
Frauen-Teams.
Mixed-Wettbewerbe.
Vernetzung mit Vereinen aus ganz Europa.

All das entsteht nicht von allein.

Im Hintergrund braucht es Menschen, die telefonieren. Organisieren. Motivieren. Vermitteln. Menschen, die morgens Mails schreiben und abends selbst auf dem Platz stehen.

Jarosław Paradowski scheint genau so jemand zu sein.

Ein Präsident, der selbst verteidigt

Vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied.

Er sitzt nicht nur am Schreibtisch.

Er spielt selbst.

Als Verteidiger.

Mitten im Spiel.
Mitten in den Zweikämpfen.
Mitten in der Realität des Walking Footballs.

Und genau deshalb wirken seine Aussagen über Fair Play, Gesundheit und Regeln nicht theoretisch.

Er kennt die Situationen.

Die Euphorie.
Den Ehrgeiz.
Den Moment, wenn jemand plötzlich doch wieder sprinten will.

Und er versteht gleichzeitig, warum Walking Football Grenzen braucht.

Nicht um Menschen einzuschränken.

Sondern um sie zu schützen.

„Wir dürfen nicht laufen – zu unserem eigenen Schutz.“

Es ist nur ein Satz aus dem Interview.

Aber wahrscheinlich einer der wichtigsten.

Denn darin steckt das gesamte Verständnis des Walking Footballs.

Viele Menschen betrachten Regeln zunächst als Hindernis.
Jarosław sieht sie als Voraussetzung.

Denn er weiß:
Ohne diese Regeln würden viele Menschen gar nicht mehr spielen können.

Walking Football ist für ihn kein nostalgischer Versuch, noch einmal 25 zu sein.

Sondern eine neue Art, Fußball zu erleben.

Mit Respekt vor dem Körper.

Mit Rücksicht auf andere.

Und mit der Erkenntnis, dass Gesundheit wichtiger ist als das nächste Ergebnis.

Wenn Sport wieder Gemeinschaft wird

Besonders eindrucksvoll ist seine Sicht auf ältere Menschen.

Jarosław spricht nicht zuerst über Taktik oder Tabellen.

Er spricht über Menschen, die wieder aus dem Haus kommen.

Über Menschen, die plötzlich wieder Teil einer Gruppe werden.

Über Menschen, die nach Jahren der Isolation wieder lachen.

Und genau dort zeigt sich vielleicht seine eigentliche Stärke:
Er versteht Walking Football nicht nur als Sport.

Sondern als sozialen Raum.

Ein Ort gegen Einsamkeit.

Ein Ort gegen Rückzug.

Ein Ort, an dem Menschen wieder das Gefühl bekommen, dazuzugehören.

Gerade im höheren Alter ist das oft unbezahlbar.

Polen auf der europäischen Karte

Dass polnische Teams heute regelmäßig international unterwegs sind, hat auch mit Menschen wie Jarosław zu tun.

Deutschland.
Niederlande.
Frankreich.
Spanien.

Die Reisen sind lang. Die Organisation aufwendig. Doch trotzdem fährt man los.

Nicht wegen Medaillen.

Sondern wegen Begegnungen.

Besonders häufig spricht Jarosław über den Almelo City Cup.

Ein Turnier, das für viele Walking-Football-Spieler längst mehr ist als nur ein Wettbewerb.

Dort wurde ŁKS zweimal Zweiter.
2025 folgte der Turniersieg.

Doch was hängen bleibt, ist weniger das Ergebnis.

Sondern die Atmosphäre.

Freundschaft.
Respekt.
Internationale Begegnungen.

Und vielleicht genau das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.

Fair Play als Haltung – nicht als Dekoration

Immer wieder taucht in seinen Aussagen das Wort Fair Play auf.

Aber nie wie eine Werbefloskel.

Eher wie eine Selbstverständlichkeit.

Jarosław möchte, dass seine Mannschaft Gegner respektiert. Regeln respektiert. Schiedsrichter respektiert.

Und vielleicht ist genau das heute wichtiger denn je.

Denn auch Walking Football steht zunehmend unter Druck:
Mehr Ehrgeiz. Mehr Wettbewerbe. Mehr Emotionen.

Menschen wie Jarosław erinnern daran, warum dieser Sport überhaupt entstanden ist.

Nicht für Härte.

Nicht für Egoismus.

Sondern für Teilhabe.

Der eigentliche Erfolg

Vielleicht besteht der größte Erfolg von Jarosław Paradowski gar nicht in Pokalen oder Tabellenplätzen.

Vielleicht besteht er darin, dass in Polen heute Menschen auf den Platz gehen, die vorher längst aufgehört hatten.

Menschen mit neuen Freundschaften.
Mit neuer Motivation.
Mit neuer Bewegung im Alltag.

Und vielleicht ist genau das die schönste Form von Fußball.

HELDEN DER GEHSTRECKE

Manche Menschen erkennt man nicht daran, wie laut sie auftreten.

Sondern daran, was bleibt, wenn sie irgendwo angefangen haben.

Jarosław Paradowski hat in Polen nicht einfach nur eine Mannschaft aufgebaut.

Er hat geholfen, eine Kultur entstehen zu lassen.

Eine Kultur aus Bewegung, Gemeinschaft und Fair Play.

Und vielleicht ist genau das die Art von Held, die Walking Football heute braucht.

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