Helmut Baranyovszki – Zwischen Herzentscheidung und Alternativbewegungsspaß

Es beginnt, wie so oft im Walking Football, nicht mit einem großen Plan.
Sondern mit einem Zufall.
Ein Zeitungsartikel im Herbst 2023.
Ein Klick.
Eine Anmeldung.
Und dann ein Moment auf dem Platz, der alles verändert.
„Nach wenigen Aktionen war mir klar, dass Walking Football kein langsamer Fußball ist, sondern eine anspruchsvolle Alternative.“
Helmut Baranyovszki spricht nicht wie jemand, der etwas entdeckt hat.
Sondern wie jemand, der etwas verstanden hat.
HERZ VOR KOPF – UND DER KOPF KOMMT HINTERHER
Helmut kommt aus einer Welt, die oft anders funktioniert: Wirtschaft, Organisation, Netzwerke.
Strukturen, Zahlen, Modelle.
Und trotzdem ist seine Antwort erstaunlich klar:
„Die Entscheidung trifft immer das Herz. Der Kopf sucht dann nach Begründungen.“
Im Fall von Walking Football hatte der Kopf leichtes Spiel.
Vielleicht, weil hier etwas zusammenkommt, was selten zusammenkommt:
Sinn und Einfachheit.
YOU’LL NEVER WALK ALONE – KEIN SPRUCH, EIN GEFÜHL
Der Satz aus seiner Präsentation ist groß.
Fast zu groß.
Und doch wirkt er bei ihm nicht wie eine Floskel.
„Man spürt das vom ersten Augenblick – noch bevor der Ball im Spiel ist. Und bis zur dritten Halbzeit.“
Das ist dieser Moment, den viele kennen, aber schwer beschreiben können:
Du kommst auf den Platz –
und bist schon Teil von etwas.
EUROPA SPIELT ANDERS – UND DAS IST GUT SO
Wer durch Europa schaut, sieht kein einheitliches Bild.
Mit Torwart. Ohne Torwart.
Drei Kontakte. Freies Spiel.
Gesundheitssport. Wettbewerb.
Helmut sieht darin kein Problem.
„Für mich ist es begrüßenswerte Vielfalt.“
Und vielleicht liegt genau darin eine Stärke des Walking Footballs:
Nicht alles gleich machen zu wollen.
SCHOTTLAND ALS SPIEGEL
Ein Moment hat ihn besonders geprägt:
Der Blick nach Schottland.
Dort geht es nicht nur um Spiel und Bewegung.
Sondern um Gesundheit – konkret, greifbar.
- Gesundheitschecks am Spielfeldrand
- Kooperationen mit Organisationen
- Defibrillatoren in den Vereinen
„Ziel war es, Männer im höheren Alter zu erreichen, die sonst selten zum Arzt gehen.“
Das ist kein Fußballprojekt mehr.
Das ist Gesellschaftspolitik im Trikot.
WIE VIEL THEORIE VERTRÄGT DAS SPIEL?
Helmut unterscheidet klar:
Für Spieler?
Wenig.
„Ein paar einfache Regeln reichen.“
Für die Entwicklung?
Mehr.
Studien, Daten, Partnerschaften – nicht als Selbstzweck, sondern als Türöffner.
Gerade in Richtung Gesundheitssystem.
Ein pragmatischer Blick.
Ohne akademischen Überbau auf dem Platz.
DER SPIELER IM MITTELPUNKT – GANZ EINFACH GEDACHT
Viele sagen diesen Satz.
Helmut macht ihn klein – und dadurch groß:
„Wichtig ist, dass sich alle wohlfühlen und gemeinsam Spaß haben.“
Kein Konzept.
Keine Grafik.
Ein Gefühl.
MEHR ALS SPORT – EIN GESELLSCHAFTSRAUM
Walking Football, so beschreibt er es, kann mehr:
- fördert Gesundheit
- schafft Kontakte
- reduziert Einsamkeit
- verbindet Generationen und Nationen
Und plötzlich wird klar:
Hier geht es nicht um eine Sportart.
Sondern um einen Raum.
WACHSTUM BRAUCHT SICHTBARKEIT – UND SINN
Helmut sieht zwei Wege:
Schnell wachsen:
- durch bekannte Namen
- durch Präsenz im Profifußball
Nachhaltig wachsen:
- durch passende Partner
- durch gemeinsame Interessen
Ein Gedanke bleibt hängen:
Nicht jeder Sponsor passt.
Aber die richtigen können den Unterschied machen.
DIE LÜCKE ZWISCHEN IDEE UND STRUKTUR
Trotz UEFA-Toolkit bleibt ein Gefühl:
Walking Football läuft mit.
Nicht vorneweg.
„Bei der FIFA ist es noch schwächer verankert.“
Organisationen wie die FIWFA versuchen, diese Lücke zu schließen.
Aber Wien zeigt:
Die Entwicklung ist noch offen.
REGELN? ODER VERABREDUNGEN?
Vielleicht einer der spannendsten Sätze des Interviews:
„Man kann sogar während des Spiels neue Regeln ausprobieren.“
Nicht als Chaos.
Sondern als gelebte Verantwortung.
Wenn es dem Spiel dient.
Wenn es allen dient.
Das ist mehr als Regelkunde.
Das ist Kultur.
DER KAMPF GEGEN DEN REFLEX
Und dann gibt es diese eine Sache, die ihn nervt:
Der Laufpass.
„Nach über 50 Jahren Fußball schwer aus Kopf und Beinen zu bekommen.“
Ein Satz, der zeigt:
Walking Football ist auch ein Umlernen.
Nicht nur körperlich.
Sondern mental.
EIN HERZENSPROJEKT OHNE GEGENARGUMENT
Auf die Frage, was ihm Walking Football gibt, wird es persönlich:
„Es ist mein Herzensprojekt.“
Und dann ein Satz, der hängen bleibt:
„Ich habe noch kein valides Argument gefunden, das gegen Walking Football spricht.“
Das ist keine Euphorie.
Das ist Überzeugung.
EIN SATZ FÜR DEN START
Sein Rat an Neue:
„Pass und Torschuss und immer ein Quadratzentimeter Sohle am Boden!“
Man könnte sagen:
Das ist Walking Football in einem Satz.
DER RUHIGE BLICK
Und wenn nur ein Wort bleibt?
Helmut erfindet eines:
Alternativbewegungsspaß.
Ein sperriges Wort.
Und vielleicht genau deshalb passend.
Weil es zeigt, worum es geht:
Nicht Ersatz.
Nicht Verzicht.
Sondern eine andere Art, sich zu bewegen.
Und dabei etwas zu gewinnen.
Helmut Baranyovszki ist einer dieser leisen Treiber des Walking Football.
Nicht laut. Nicht dogmatisch.
Aber mit einem klaren Gefühl dafür, worauf es ankommt.
Oder anders gesagt:
Er geht.
Und nimmt andere mit.
