TEAM DER WOCHE #16 // Arminia & die alten Damen

„Kein Altherren Fussball von der Alm“

Manchmal beginnt eine neue Mannschaft nicht mit einem offiziellen Beschluss.
Nicht mit einem Trainerplan.
Nicht mit einer Tabelle.

Sondern mit einem Wiedersehen.

DSC ARMINIA BIELEFELD Walking Football – Team „ALTE DAMEN“

Als beim 25-jährigen Jubiläum der Mädchen- und Frauenfußball-Abteilung des DSC Arminia Bielefeld ehemalige Spielerinnen zusammenkamen, war plötzlich wieder dieses alte Gefühl da. Geschichten. Spitznamen. Gelächter. Erinnerungen an Aufstiege, Kabinenmomente und gemeinsame Jahre auf der Alm.

Es ahnte wohl kaum jemand, dass daraus wenige Monate später eines der emotionalsten Projekte des deutschen Walking Football entstehen würde.

Doch manchmal reicht ein gemeinsamer Nachmittag, um etwas zurückzubringen, das nie ganz verschwunden war.

Der Teamgeist.
Das Gefühl von Kabine.
Das gegenseitige Verstehen ohne viele Worte.

Und plötzlich stand eine Frage im Raum:

„Warum spielen wir eigentlich nicht wieder zusammen?“

Die Antwort darauf hieß Walking Football.


Vom Wiedersehen zur Bewegung

Viele der ehemaligen Spielerinnen hatten den aktiven Fußball längst hinter sich gelassen. Familie, Beruf, Verletzungen oder schlicht das Gefühl, „nicht mehr in den normalen Fußball zu passen“, hatten den Abstand wachsen lassen.

Doch Walking Football veränderte den Blick.

Hier ging es nicht mehr darum, schneller zu sein als die anderen.
Nicht mehr um Härte.
Nicht mehr um Leistungsdruck.

Sondern um Fußball als Gemeinschaft.

Initiiert und zusammengeführt wurde vieles durch Nadja Pilzweger — ehemalige Spielführerin, langjährige Arminin und heute international vernetzte Walking-Football-Botschafterin zwischen Deutschland, Dänemark, England und den Niederlanden.

Was zunächst als spontane Idee begann, entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu einer echten Mannschaft.

Eine WhatsApp-Gruppe entstand.
Spielerinnen meldeten sich zurück.
Alte Kontakte lebten wieder auf.

Und plötzlich stand fest:

Beim Alm-Cup wird ein Frauen-Team des DSC Arminia Bielefeld antreten.


Der Alm-Cup: Mehr als nur ein Turnier

Der Alm-Cup auf dem Hannes-Scholz-Platz gehört mittlerweile zu den besonderen Walking-Football-Veranstaltungen in Deutschland. Mannschaften aus verschiedenen Regionen und Ländern treffen sich dort nicht nur zum Spielen, sondern vor allem zum Austausch.

In diesem Jahr war das Teilnehmerfeld größer und internationaler denn je. Neben Teams aus Deutschland waren unter anderem Mannschaften aus den Niederlanden und Polen dabei. Insgesamt gingen 24 Teams an den Start.

Doch viele Augen richteten sich besonders auf eine Mannschaft:

Die „Arminia’s Women“.

Nicht, weil sie Favoritinnen gewesen wären.
Sondern weil ihre Geschichte viele Menschen berührte.


„Plötzlich waren wir wieder wie früher“

Morgens um 9.15 Uhr traf sich das Team an der Hartalm.

Dank der Unterstützung von Carsten Fischer und dem Traditionsumfeld des DSC liefen die Spielerinnen sogar in originalen Arminia-Trikots auf. Bereits beim ersten Wiedersehen war spürbar:

Hier geht es um mehr als Sport.

„Es wurde gelacht und plötzlich waren wir wieder wie früher“, beschreibt Nadja Pilzweger den Moment.

Die alten Spitznamen waren sofort wieder da.
Die Sprüche auch.
Und dieser besondere Teamspirit, den manche Mannschaften offenbar nie verlieren.

Auf dem Platz wartete allerdings eine neue Erfahrung.

Denn Walking Football kann wunderschön fair und gemeinschaftlich sein — manchmal zeigt sich aber auch, dass einige den Gedanken hinter dem Spiel noch lernen müssen.

Gerade gegen Männerteams wurde deutlich, dass Ehrgeiz gelegentlich über Fair Play gestellt wurde. Diskussionen über Tore. Harte Aktionen. Der sichtbare Wille, „nicht gegen Frauen verlieren zu dürfen“.

Doch die „Alten Damen“ ließen sich davon nicht die Freude nehmen.

Sie spielten mutig.
Sie entwickelten sich von Spiel zu Spiel weiter.
Und sie genossen jeden einzelnen gemeinsamen Moment.

Am Ende stand Platz 10 von 12 Teams.

Doch das Ergebnis war nebensächlich.

Denn gewonnen hatte etwas anderes:

Das Gefühl, wieder Teil einer Mannschaft zu sein.


Walking Football als neue Fußballheimat

Heute trainieren bereits erste Spielerinnen regelmäßig gemeinsam mit dem bestehenden Walking-Football-Team von Arminia. Weitere wollen folgen.

Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Bedeutung dieses Projekts:

Die „Alten Damen“ zeigen, dass Fußballkarrieren nicht einfach enden müssen.

Walking Football schafft Räume für Menschen, die den Fußball lieben, aber im klassischen System oft keinen Platz mehr finden. Besonders für Frauen entsteht hier gerade etwas Neues:

Ein zweiter Fußball-Lebensabschnitt.

Mit weniger Druck.
Mit mehr Gemeinschaft.
Und mit einer Kultur, in der das soziale Miteinander wieder wichtiger wird als Tabellen oder Ergebnisse.


Zwischen Almelo, Sønderborg und der Alm

Längst ist das Team dabei Teil eines größeren internationalen Netzwerks geworden. Über Kontakte nach Almelo, England, Malmö und Sønderborg entstehen neue Verbindungen, Turniere und Frauenprojekte.

Die „Alten Damen“ sind dadurch heute weit mehr als nur ein nostalgisches Wiedersehen ehemaliger Spielerinnen.

Sie sind ein Zeichen dafür, wie Walking Football Menschen wieder zusammenbringen kann.

Nicht über Leistung.
Sondern über gemeinsame Erinnerungen, Offenheit und Freude am Spiel.

Oder wie es nach dem Turnier viele Spielerinnen formulierten:

„Walking Football macht einfach Spaß.“

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