SPIEL VERSTEHEN #2 – Training in der Spielform

Was ich bei der DFB-Basis-Coach Ausbildung wirklich gelernt habe

Spielformen sind ehrlich.
Sie zeigen, was Spieler können.
Und sie zeigen, was Trainer nicht steuern.

Im Rahmen meines Lehrgangs beim Deutscher Fußball-Bund (DFB) habe ich eine einfache 3-gegen-3-Spielform mit neutraler Zone gewählt. Schwerpunkt: Passspiel unter Kontaktbegrenzung. Klingt unspektakulär. Ist es nicht.

Denn Spielformen sind kein „Lass mal spielen“.
Sie sind ein didaktisches Instrument.


Die Spielform

  • 3 gegen 3
  • Neutrale Zone in der Mitte
  • In der Zone nur passen
  • Progression: 3 Kontakte → 2 Kontakte → Direktspiel
  • Regelbruch = Ballbesitzwechsel

Ziel:
Nicht den Ballführer besser machen.
Sondern die Mitspieler ohne Ball.

Und genau hier begann das eigentliche Lernen.


Die erste Erkenntnis: Lob ersetzt keine Steuerung

In der ersten Durchführung war ich engagiert. Wertschätzend. Nah dran.
Aber ich habe gemerkt: Viel sprechen ist nicht gleich gutes Coaching.

Zwischen „Super Pass!“ und „Gut gemacht!“
liegt eine Welt.

Spielformen verlangen keine Kommentare.
Sie verlangen Lenkung.

Statt das Offensichtliche zu benennen, geht es darum, das Unsichtbare sichtbar zu machen:

  • Wer steht im Deckungsschatten?
  • Wo fehlt ein diagonaler Passwinkel?
  • Wer sichert hinter dem Ball?

Das Spiel entwickelt sich nicht durch Begeisterung.
Sondern durch Klarheit.


Die zweite Erkenntnis: Progression ist kein Extra – sie ist Pflicht

Eine Spielform bleibt nicht gleich.
Sie muss atmen.

3 Kontakte in der neutralen Zone geben Sicherheit.
2 Kontakte erzeugen Entscheidungsdruck.
Direktspiel fordert Vororientierung.

Das Entscheidende ist nicht die Regel.
Sondern der Moment, in dem sie verändert wird.

Dort beginnt methodisches Arbeiten.


Der Freeze-Moment – Training wird sichtbar

Der stärkste Moment im Video war nicht ein Tor.
Nicht ein gelungener Spielzug.

Es war das Einfrieren einer Szene.

„Freeze.“

Alle bleiben stehen.
Raum wird sichtbar.
Struktur wird sichtbar.
Fehlende Unterstützung wird sichtbar.

Dann Fragen:

  • Wer ist wirklich anspielbar?
  • Wo entsteht Dreiecksbildung?
  • Was fehlt gerade?

Keine Vorlesung.
Keine Lösung vom Trainer.
Spieler denken lassen.

Spielformen sind dann gut, wenn sie Entscheidungsräume öffnen – nicht wenn der Trainer Entscheidungen abnimmt.


Was bedeutet das für Walking Football?

Gerade im Walking Football wird häufig argumentiert, es gehe „nur“ um Bewegung, Gemeinschaft und Spielspaß.
Das stimmt – aber es greift zu kurz.

Reduziertes Tempo bedeutet nicht reduzierte Komplexität.
Im Gegenteil:

Weniger Laufgeschwindigkeit
= mehr Raum für Wahrnehmung
= mehr Bedeutung für Passwinkel
= mehr Verantwortung für Nicht-Ballspieler

Im Gehtempo wird Spielintelligenz sichtbar.
Und trainierbar.


Spielformen sind Ehrlichkeit

Eine gute Spielform zeigt:

  • Wer antizipiert
  • Wer reagiert
  • Wer nur zuschaut
  • Wer Struktur schafft

Und sie zeigt auch:

  • Ob der Trainer kommentiert
  • Oder entwickelt

Im DFB-Lehrgang habe ich verstanden:

Ein Trainer formt das Spiel nicht durch Lautstärke.
Sondern durch Klarheit der Regeln, gezielte Progression und präzise Intervention.


Mein Resümee

Spielformen sind kein Pausenfüller.
Sie sind die modernste Trainingsform, die wir haben.

Wer sie richtig nutzt, trainiert:

  • Wahrnehmung
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Unterstützungsverhalten
  • kollektive Struktur

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis:

Im Fußball – und im Walking Football –
entscheidet nicht der Ballführer.

Es entscheidet die Qualität der Unterstützung.

Euer Rolf Jone Allerdissen


Nächsten Mittwoch:

GEHZETTE – SPIEL VERSTEHEN #3 Training beginnt nicht beim Ball.
Sondern beim Denken.


Nach oben scrollen