STEFFEN KÜSTER – DIE FUSSBALLSCHUHE STEHEN AN DER TÜR

Manchmal erzählt ein Paar Fußballschuhe eine ganze Geschichte.
Bei Steffen Küster standen sie nie im Keller. Sie landeten nicht auf dem Dachboden. Und sie wurden auch nicht an den berühmten Nagel gehängt.
Sie standen immer neben der Haustür.
Dabei hatte Steffen dem klassischen Fußball schon in jungen Jahren Lebewohl sagen müssen. Operationen an der Hüfte machten deutlich, dass der Weg auf den großen Fußballplätzen zu Ende war. Doch die Leidenschaft für das Spiel blieb.
Das Fußballfieber war nie verschwunden.
Und so kam es, dass aus einer Idee innerhalb weniger Monate eine kleine Erfolgsgeschichte wurde.
Gemeinsam mit dem Thüringer Fußballverband organisierte der USV Jena im vergangenen Jahr ein Schnuppertraining. Was als Versuch begann, entwickelte sich beinahe über Nacht zu einer festen Walking-Football-Gruppe. Im Schatten der modernen Fußballarena von Jena entstand auf dem Gelände des Universitäts Sportverein in Ost-Thüringen eine neue sportliche Heimat für Menschen, die dem Fußball treu geblieben sind.
Heute, knapp ein Jahr später, treffen sich regelmäßig acht bis zehn Frauen und Männer mittwochabends von 20:00 bis 21:30 Uhr auf dem Kunstrasenplatz zum gemeinsamen Training und Spiel.
Und wie es sich für eine gute Fußballgemeinschaft gehört, endet der Abend nicht mit dem Schlusspfiff.
Danach folgt die berühmte dritte Halbzeit am kultigen USV-Bierwagen.
Wer Steffen Küster kennt, weiß, dass er kein Mann großer Inszenierungen ist. Als Akademiker betrachtet er Walking Football mit einer gesunden Portion Pragmatismus. Er kennt die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Bewegung im Alter, über soziale Teilhabe und über die positiven Auswirkungen regelmäßiger körperlicher Aktivität.
Doch mindestens genauso wichtig ist ihm das Miteinander.
„Wir müssen alle etwas freundlicher wieder miteinander umgehen.“
Dieser Satz beschreibt vielleicht besser als jede Statistik, warum Walking Football an vielen Orten funktioniert.
Es geht um Bewegung.
Es geht um Gesundheit.
Vor allem aber geht es um Menschen.
Dass der USV Jena Walking Football inzwischen als Fair-Play-Verein ausgezeichnet wurde, kommt daher nicht von ungefähr. Die Auszeichnung steht für eine Haltung, die auf und neben dem Platz gelebt wird.
Steffen Küster hat den Fußball nie losgelassen.
Und vielleicht war es genau richtig, dass die Fußballschuhe all die Jahre neben der Haustür stehen geblieben sind.
Denn manchmal wartet hinter einer geschlossenen Tür bereits die nächste Halbzeit.
Danke, Steffen. Du bist einer der Helden der Gehstrecke. ⚽💙
Training der Walking Blues: Mittwochs, 20:00–21:30 Uhr, USV Jena Walking Football.
