GEHZETTE – Verein der Woche
TSV Mariendorf 1897 – Walking Football

Berlin-Mariendorf zeigt, wie Walking Football wachsen kann: aus einer persönlichen Geschichte, getragen vom Ehrenamt – und gedacht als Netzwerk für ganz Deutschland.
Der Anfang: Eine Idee, geboren aus Erfahrung
Beim TSV Mariendorf nahm alles mit einer klassischen Walking-Football-Geschichte seinen Lauf. Jürgen „Peggy“ Peschel musste seine aktive Laufbahn wegen Kniearthrose beenden. Der Wunsch, weiter Fußball zu spielen, blieb. Ein Besuch beim Training des FV Wannsee – damals das einzige Team in Berlin – reichte, um die Entscheidung zu treffen: Das organisieren wir selbst.
Im August 2020 startete die Gruppe mit acht Spielern. Heute umfasst sie mehr als 30 Aktive. Menschen, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen nicht mehr klassisch spielen konnten, fanden zurück auf den Platz – und zur Gemeinschaft danach.
Vom Vereinsprojekt zur Turnieridee
Zum zweijährigen Bestehen entstand 2022 das Mariendorfer Walking Football Volksparkturnier. Zunächst lokal gedacht, entwickelte sich das Format schnell weiter. Zwei Ausgaben pro Jahr – eine Berliner, eine deutschlandweite – wurden zum festen Bestandteil.
Der Blick über den Tellerrand kam durch eigene Turnierteilnahmen im ganzen Land. Die Erkenntnis: Viele Veranstaltungen bleiben regional. Mariendorf wollte das ändern. Ziel wurde, Mannschaften aus möglichst vielen Bundesländern zusammenzubringen.
So entstand der Deutsche Walking Football Supercup.

Ein Turnier als Aushängeschild
Der Supercup entwickelte sich rasant.
2024: 20 Teams aus 14 Bundesländern.
2025: erstmals Mannschaften aus allen 16 Bundesländern.
2026: Beim dritten Supercup sollen 24 Teams antreten – mit Vertretungen aller 21 nationalen Fußballverbände.
Damit gehört das Turnier zu den größten Walking-Football-Events Deutschlands.
Für den Verein bedeutet die Ausrichtung Anerkennung – aber auch Verantwortung. Anspruch ist, dass sich Gäste willkommen fühlen, sportlich wie menschlich.
Organisation: Ehrenamt als Fundament
Ein Turnier in Mariendorf bedeutet viel mehr als Spiele. Terminabsprachen, Behördenkontakte, Einladungen, Hotels, Schiedsrichter, Catering, Aufbau, Turnierplan, Abbau – und am Ende das gemeinsame Feiern.
Ohne Ehrenamt wäre das unmöglich. Sponsoren gibt es nicht. Kurze Wege im Verein und direkte Kommunikation bilden die Grundlage, auf der drei Turniere pro Jahr überhaupt stattfinden können.
Drei Formate – eine Haltung
Mariendorf verfolgt bewusst unterschiedliche Turnierideen:
- Volksparkturniere: Freundschaftscharakter, keine Tabellen, keine Pokale – Fokus auf Begegnung.
- Supercup: Wettbewerb mit Pokalen und Titel, aber unter dem Leitmotiv Fairness und Freude.
- Internationales Herbstturnier: Deutschlandweite Einladung, ergänzt durch internationale Teams – 2026 auch mit Mannschaften aus den Niederlanden.
Gemeinsam ist allen Formaten der Netzwerkgedanke.
Entwicklung auf dem Platz
Detlef Kahmann beobachtet eine klare Veränderung: Teams spielen regelkonformer. Das Gehen wird trainiert, Schiedsrichterlehrgänge nehmen zu, die Qualität steigt.
Parallel wächst die Szene – auch wenn Berlin noch hinter Regionen wie NRW oder Hessen liegt. Mariendorf reagiert mit Aktionstagen, Mitmachangeboten und Kooperationen mit Verbänden.
Persönliche Motivation
Kahmann selbst kam zum Walking Football, weil er spielen wollte – ohne klassische Trainingsbelastung. Kurzes Aufwärmen, dann Fußball. Präzise Pässe, Taktik, Teamgefühl.
Die wichtigste Bestätigung: steigende Mitgliederzahlen und Spieler, die regelmäßig kommen, bleiben und die Geselligkeit schätzen.
Walking Football ist im TSV Mariendorf heute fester Bestandteil des Vereinslebens.
Blick nach vorn
Die Vision ist klar:
Volksparkturniere und Supercup sollen feste Termine im Kalender der Szene werden. Veranstaltungen, die Menschen aktiv halten, neue Teams motivieren und Zuschauer anziehen.
Der Rat an andere Vereine passt zur Mariendorfer Philosophie: klein anfangen, Zeit nehmen, Menschen einladen, spielen, lernen – und Schritt für Schritt wachsen.
GEHZETTE-Einordnung
Mariendorf steht exemplarisch für eine Entwicklung, die man derzeit vielerorts sieht: Walking Football entsteht aus individuellen Geschichten – und wird durch Engagement zu Struktur.
Ein Verein, der Begegnung bewusst organisiert, Wettbewerb dosiert einsetzt und Vernetzung zum Ziel erklärt, zeigt, wie die Szene wachsen kann, ohne ihre Seele zu verlieren.
Oder anders gesagt:
Im Volkspark geht es nicht darum, wer gewinnt. Sondern darum, dass möglichst viele kommen.
Und wiederkommen. 👣⚽️
